Vor
nun mehr 93 Jahren gründete der Goldschmiede- und
Uhrmachermeister Paul Dylla auf der oberen
Dresdner Straße 106 in Freital das Uhren- und
Goldwarengeschäft Dylla. Die
Branche spielt im Vertrauen der Öffentlichkeit eine gewichtige
Rolle. Denn Uhren sind eine diffizile Sache. Versagen sie ihre guten
Dienste, will man sie zum Zwecke der Reparatur in den besten
Händen wissen. Der gebürtige Schlesier Paul Dylla,
der Laden und Werkstatt in der damaligen Gemeinde Deuben
eröffnete genoss schon bald die Zuneigung der Kundschaft, die
ständig größer wurde.
Präzise
ausgeführte Reparaturen und Ehrlichkeit am Ladentisch
begründeten den untadeligen Ruf des Meisters, der nach relativ
kurzer Zeit an das Vergrößern denken konnte. Er
mietete 1933 vom Konsumverein die benachbarten
Geschäftsräume mit an und bildete Lehrlinge aus. 1938
erwarb er das Wohn- und Geschäftsgrundstück Dresdner
Straße 106. Die Kriegszeit
hinterließ Spuren, das Warenangebot wurde schmal. Wer noch im
Besitz einer Uhr war, brachte sie im Falle eines Defektes zum Fachmann.
Der Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 warf Licht und schwere Schatten
zugleich. Das Paar Marianne und Paul Dylla feierte Silberhochzeit. Am
gleichen Tag raubte die sowjetische Besatzungstruppe den gesamten
Warenbestand mit allen Reparaturaufträgen der Kunden. Paul
Dylla begann von Neuem, Werkstatt und Handel aufzubauen. Drei Jahre
später ein neuer Rückschlag. Der Konsum meldete
Eigenbedarf an, das Land Sachsen ließ Paul Dylla
entschädigungslos enteignen. Er verlor sein
rechtmäßig erworbenes Eigentum. Über Nacht
stand er wieder dort wo er vor 30 Jahren begonnen hatte. Mit seiner
Gattin Marianne und den Söhnen Günther und
Jürgen (beide gelernte Uhrmacher) sowie kriegsversehrten
Umschülern hielt der Meister den Geschäftsbetrieb
aufrecht. Im Januar 1959 verstarb der Fachmann, der selbst in schweren
Stunden seinen Berufsstand in Ehren gehalten hatte.
Ein
Jahr später musste Marianne Dylla das Geschäft
schließen. Der ältere Sohn Günther der seit
seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft (1945) bis 1959 eine
feste Stütze im väterlichen Betrieb war zog im
gleichen Jahr nach München. Dort arbeitete er als
selbständiger Uhrmacher und galt auch im Werkzeug- und
Maschinenbau als kleines Genie. 1977
erfand er einen Viertakt-Hubkolbenmotor, der patentiert wurde und im
Modellflugzeugbau Verwendung fand. Sohn Hans Jürgen der nach
der Geschäftsschließung 1960 im Edelstahlwerk Feital
als Feinmechaniker neue Arbeit fand eröffnete 1978
mittlerweile als Uhrmachermeister avanciert, auf der Wilsdruffer
Straße 112, in Höhe des Neubaugebietes
Zauckerode, wieder ein Uhren- und
Schmuckgeschäft der Familie Dylla. Seine Vorliebe zu
Altuhrreparaturen (Regulateure, Standuhren, Kuckucksuhren usw.)
brachten oft Reparaturannahmezeiten von bis zu einem halben Jahr mit
sich. Seine Frau Erika die das kaufmännische erledigte, setzte
Sohn Mathias die handwerkliche Tradition fort und lernte ebenfalls den
Beruf des Uhrmachers. Während
seiner Tätigkeit in Bayern sammelte er Erfahrungen in
Goldschmiedearbeiten. Im April 2002 übergab Hans
Jürgen Dylla den Betrieb an seinen Sohn. Und wie sollte es
auch anders sein Sohn Mathias konzentriert sich mit Vorliebe auf
Reparaturen von alten bzw. antiken Uhren. Selbst derzeit sind
Reparaturlieferzeiten von 4-6 Wochen von Regulateuren, Standuhren usw.
auf Grund des hohen Reparaturanfalls keine Seltenheit. Der Umfang der
Uhrenreparaturen umfasst nicht nur Altuhren sondern schließt
auch sämtliche Armbanduhren (mechanische- Automatik Uhren,
Quartzuhren, Funkuhren, Eco Drive usw.) mit ein. Dazu werden
sämtliche Gold- und Silberschmuck- reparaturen
(Kettenreparaturen, Ringweitenänderungen, Steinneufassungen,
Schmuck reinigen usw.) in der eigenen Werkstatt ausgeführt.